sinnhunde

Mit Hunden leben

Wachsen lassen, nicht besitzen     

beschützen, nicht beherrschen       

führen, nicht ausnützen -     

das ist das Geheimnis der wahren Autorität.

                                                         Laotse

 



Die heutigen Hunde 

Hunde müssen sich mit dem ersten Atemzug aktiv mit ihrer Umwelt auseinandersetzen. Sichern in der Frühphase der Welpenzeit noch instinktive Verhaltensweisen das Überleben der jungen Hunde, greifen spätestens ab der 5. Woche auch andere Überlebensstrategien -  Hunde beginnen zu lernen ! Was ein Hund lernt, hängt dabei ganz entscheidend von seinen Erfahrungen ab, d.h. Hunde lernen selbstständig und erfahrungsabhängig.

So hat es sich für Hunde in den letzten ca.20,000 Jahren abgespielt und dies gilt auch heute noch für die meisten der geschätzten1,000,000,000 Hunde dieser Erde. 

 In einem unglaublich kurzen Zeitfenster von ein paar Jahrzehnten haben nun Hunde  v.a. hierzulande einen atemberaubenden Rollen- und Statuswandel durchgemacht. War der Hund bis vor kurzem ein wenig beachtetes Anhängsel und ein Mitläufer (der "Dorfköter"), dessen Verhalten weitgehend von willkürlichen  positiven oder negativen Lebenserfahrungen geprägt war, so ist  ist er nun Sportfreund, Kindersatz und gleichrangiges Familienmitglied. Deshalb soll er sich nun so verhalten, wie es sich in der heutigen menschlichen Gesellschaft - besonders in der Familie -  "gehört".

"Beziehung" und "Erziehung"  

Grundsätzlich entscheidet sich die Qualität des Zusammenlebens mit einem Hund daran, ob es gelingt,  einen Hund durch den Aufbau einer guten gegenseitigen Beziehung zu fördern und zu entwickeln. "Beziehung" heißt, die Verschiedenheit von Mensch und Tier anzuerkennen, dafür  Verständnis  aufzubringen und damit soziales Handeln zu ermöglichen. In der "Erziehung" hingegen unterscheidet man zwischen "richtig" und "falsch", teilt in "gutes" oder "schlechtes" Verhalten ein und setzt Verhaltensänderungen mittels Einschränkung und Machtausübung durch. Beziehung ist somit die Voraussetzung von Erziehung.

Hundeerziehung als "Soziales Spiel"

Versuchen wir einmal, die Motivation für ein bestimmtes Verhalten aus dem Blickwinkel eines Hundes zu sehen. Hierzu ist ein von John Bradshaw (Hundeverstand, 2012) entwickelter Erklärungsversuch hilfreich. 

Nach Bradshaw treffen Hunde, ehe sie ein äußerlich sichtbares Verhalten zeigen, Entscheidungen hinsichtlich folgender Fragen:

1. Wie intensiv ist mein Verlangen nach etwas (Nahrung, Spielzeug, Zuwendung etc.) ?

2. Wie sehr ist meine Umwelt gewillt, mir dies zu gewähren ? 

3. Wie stehen ungefähr meine Chancen bei einer Auseinandersetzung ?

4. Lohnt sich eine Auseinandersetzung  ?

Ehe ein Hund ein bestimmtes Verhalten an den Tag legt, prüft er also die Motivation seines Gegenübers. Dabei hat er oftmals die Erfahrung gemacht hat, dass er mit nicht-aggressiven körpersprachlichen Elementen sein Ziel schneller und leichter erreichen kann, als durch eine kämpferische Auseinandersetzung. Deshalb greift er bei seinem "Motivationstest" vorwiegend auf Verhaltenselemente des Spielverhaltens zurück (Imponiergehabe, Zuneigungsgesten, Unterwürfigkeitsverhalten).

Ein möglicher Trainingsansatz könnte also darin bestehen, Hundeerziehung als eine immer wieder neuen Abfolge von "sozialen Spielen" (auch  "Machtspielen") zwischen Hund und Halter zu begreifen. Der Ausgang dieser Spiele entscheidet darüber, in welcher sozialen Beziehung Hund und Halter zueinander stehen. Die Aufgabe des Halters ist es, angemessen auf ein Spielangebot zu reagieren, d.h. sich so zu verhalten, dass entweder ein Spiel ganz unterbleibt ("Ignorieren") oder, wenn er sich auf ein Spiel einlässt, darin erfolgreich zu sein. Wenn ein Spiel nicht "gelingt", d.h. wenn sich Hund und Halter immer wieder in derselben "Spielspirale" wiederfinden, besteht ein Kommunikationsproblem zwischen beiden. Auf ein "Machtspiel" sollte man sich als Halter nur einlassen, wenn man sicher ist, dass man es auch gewinnen kann.

Erziehung als "Soziales Spiel"  hat sowohl Auswirkungen auf die Wahl der angewandten Erziehungsmittel, verändert aber auch die gesamte innere Einstellung zum Wesen "Hund":

  • beide Seiten stehen sich auf der gleichen Ebene gegenüber  
  • es gelten für beide Seiten dieselben (fairen)  Spielregeln
  • Konflikte werden aus einer ernsten, starren Konfrontation in eine heitere, gelöste Situation überführt 
  • für ein Spiel können immer wieder neue Lösungen gefunden werden
  •  manche Spiele können beendet werden, manche werden vielleicht ein Leben lang gespielt 
  • der (wenn auch zeitweiliger) Gewinn eines Spiels erhöht den Respekt vor dem Mitspieler 
  • spielerische Auseinandersetzung gewähren tiefere Einblicke in Charakter und Motivation des anderen (Falschspieler, Spielverderber)
  • Spiele führen zu Leichtigkeit, Lebensbejahung und Freude 
  • die positive, stressarme Atmosphäre des Spiels macht nachhaltiges Lernen erst möglich

Wenn Sie einen etwas anderen Ansatz im Zusammenleben mit Ihrem Hund ausprobieren wollen, dann freue ich mich auf Sie und Ihren Hund !

 

 

Tel: 0178/9291360