sinnhunde

Mit Hunden leben

Wachsen lassen, nicht besitzen     

beschützen, nicht beherrschen       

führen, nicht ausnützen -     

das ist das Geheimnis der wahren Autorität.

                                                         Laotse

 



Die heutigen Hunde 

Hunde  lernen vom ersten Atemzug an, sich aktiv mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen, d.h. Hunde bringen sich das meiste selbst bei. Dafür nützen sie die verschiedensten Lernformen - Lernen am Erfolg, Imitationslernen,  Lernen durch Versuch und Irrtum, Lernen am Vorbild oder ähnliche Lernwege.

So hat es sich für Hunde die letzten 12,0000-13,000 Jahre abgespielt und dies gilt auch heute noch für die meisten der geschätzten 1 Milliarde Hunde dieser Erde. Und bis vor 30 oder 40 Jahren war das auch so für die meisten Hunde in den westlichen Ländern.

 In einem unglaublich kurzen Zeitfenster von ein paar Jahrzehnten haben nun Hunde  v.a. in vielen europäischen Ländern einen atemberaubenden Rollen- und Statuswandel durchgemacht  - vom einst wenig beachteten Anhängsel und Mitläufer zum Sportfreund, Kindersatz und gleichrangigen Familienmitglied. 

"Beziehung" und "Erziehung"  

Viele Rassehundvereine und -züchter behaupten, ihre Rassen ( z.B. Labrador, Golden Retriever) seien schon aufgrund der Rassezugehörigkeit die  "idealen Familienhunde". Die ist aber nur eine Marketingstrategie und ein Verkaufstrick. Grundsätzlich entscheidet sich die Qualität des Zusammenlebens mit einem Hund nicht an der Frage, ob es die "richtige" Rasse ist, sondern ob es gelingt, einen Hund durch den Aufbau einer guten gegenseitigen Beziehung zu fördern und zu entwickeln.  Nur auf dieser Grundlage kann Erziehung gelingen. Anders gesagt:  "Beziehung" heißt, die Verschiedenheit von Mensch und Tier anzuerkennen, dafür Verständnis aufzubringen und damit soziales Handeln zu ermöglichen. In der "Erziehung" hingegen unterscheidet man zwischen "richtig" und "falsch", teilt in "gutes" oder "schlechtes" Verhalten ein und setzt Verhaltensänderungen mittels Einschränkung und Machtausübung durch. 

Hundeerziehung als "Soziales Spiel"

Versuchen wir einmal, die Motivation für ein bestimmtes Verhalten aus dem Blickwinkel eines Hundes zu sehen. Hierzu kann ein von John Bradshaw* entwickelter Erklärungsversuch hilfreich sein. 

Nach Bradshaw treffen Hunde, ehe sie ein äußerlich sichtbares Verhalten zeigen, Entscheidungen hinsichtlich folgender Fragen:

1. Wie intensiv ist mein Verlangen nach etwas (Nahrung, Spielzeug, Zuwendung etc.) ?

2. Wie sehr ist meine Umwelt gewillt, mir dies zu gewähren ? 

3. Wie stehen ungefähr meine Chancen bei einer Auseinandersetzung ?

4. Lohnt sich eine Auseinandersetzung  ?

Ehe ein Hund ein bestimmtes Verhalten an den Tag legt, prüft er also die grundlegende Motivation seines Gegenübers. Dabei hat er oftmals die Erfahrung gemacht hat, dass er mit nicht-aggressiven körpersprachlichen Elementen sein Ziel schneller und leichter erreichen kann, als durch eine kämpferische Auseinandersetzung. Deshalb greift er bei diesem Motivationstest vorwiegend auf Verhaltenselemente des Spielverhaltens zurück (Imponiergehabe, Zuneigungsgesten, Unterwürfigkeitsverhalten).

Ein möglicher Trainingsansatz könnte also darin bestehen, Hundeerziehung als eine immer wieder neuen Abfolge von "sozialen Spielen" (auch  "Machtspielen") zwischen Hund und Halter zu begreifen. Der Ausgang dieser Spiele entscheidet darüber, in welcher sozialen Beziehung Hund und Halter zueinander stehen.  Wenn diese sozialen Spiele nicht "gelingen", wenn Hund und Halter sich z.B. immer wieder in derselben Spielspirale wiederfinden, ist dies eher ein Hinweis auf ein Kommunikationsproblem zwischen Hund und Halter als auf eine "böse Absicht" von einem der beiden. Die Aufgabe des Halters ist es, genau zu überlegen, wie er angemessen auf ein Spielangebot reagieren will, nämlich sich so zu verhalten, dass das Spiel entweder ganz unterbleibt ("Ignorieren") oder möglichst zum gewünschten Erfolg führt. Auf ein "Machtspiel" sollte man sich als Halter nur einlassen, wenn man sicher ist, dass man es auch gewinnen kann.

Erziehung als "Soziales Spiel"  hat sowohl Auswirkungen auf die Wahl der angewandten Erziehungsmittel, verändert aber auch die gesamte innere Einstellung zum Wesen "Hund":

  • beide Seiten stehen sich auf der gleichen Ebene gegenüber  
  • es gelten für beide Seiten dieselben (fairen)  Spielregeln
  • Konflikte werden aus einer ernsten, starren Konfrontation in eine heitere, gelöste Situation überführt 
  • für ein Spiel können immer wieder neue Lösungen gefunden werden
  •  manche Spiele können beendet werden, manche werden vielleicht ein Leben lang gespielt 
  • der (wenn auch zeitweiliger) Gewinn eines Spiels erhöht den Respekt vor dem Mitspieler 
  • spielerische Auseinandersetzung gewähren tiefere Einblicke in Charakter und Motivation des anderen (Falschspieler, Spielverderber)
  • Spiele führen zu Leichtigkeit, Lebensbejahung und Freude 
  • die positive, stressarme Atmosphäre des Spiels macht nachhaltiges Lernen erst möglich

Wenn Sie einen etwas anderen Ansatz im Zusammenleben mit Ihrem Hund ausprobieren wollen, dann freue ich mich auf Sie und Ihren Hund !

*John Bradshaw, Hundeverstand, 2012

 

 

Tel: 0178/9291360