sinnhunde

Mit Hunden leben




Freies Spiel bewegt sich in einem Meer
 von Möglichkeiten und  ist entscheidend dafür, wie gut sich ein Wesen in der Welt  zurechtfindet. 

C.Quarch

 

Hunde müssen sich vom ersten Atemzug an aktiv mit ihrer Umwelt auseinandersetzen. Sichern in der Frühphase der Welpenzeit noch instinktive Verhaltensweisen das Überleben der jungen Hunde, greifen spätestens ab der 5. Woche auch andere Überlebensstrategien -  Hunde beginnen zu lernen. Was ein Hund lernt, hängt dabei ganz entscheidend von seinen Erfahrungen ab, d.h. Hunde lernen selbstständig und erfahrungsabhängig.. 

 Lange Zeit konnte der Hund viele selbständige Erfahrungen in in einer Nische zwischen Mensch und Natur machen. In unserer modernen Zivilisation hat sich der Lebensraum des Hundes  aber komplett verändert. Die heutigen Hunde bewegen sich fast nur noch in der menschlichen Umgebung. Dies führt zur Notwendigkeit, das Verhalten des Hundes so zu lenken,  dass er sich selbstverständlich und problemlos in der menschlichen Gesellschaft bewegen kann. 

Das hat er noch nie gemacht !

Hunde zeigen, neben ihrem instinktgeleiteten Verhalten, erstaunlich oft strategische "Schachzüge", um bestimmte Ziele zu erreichen. John Bradshaw ( Dog Sense, 2012) vermutet, dass Hunde in diesen Situationen jeweils eine Entscheidung hinsichtlich der folgenden Fragen treffen, ehe sie ein äußerlich sichtbares Verhalten zeigen: 

1. Wie sehr möchte ich etwas (Nahrung, Spielzeug, Zuwendung etc.) ?

2. Bekomme ich es problemlos ? 

3. Muss ich darum kämpfen ?

4. Ist es mir das wert   ?

Ehe ein Hund also ein bestimmtes strategisch-taktisches Verhalten an den Tag legt, prüft er erst, ob es sich überhaupt lohnt, dieses Verhalten zu zeigen. Hat er dabei ein tierisches oder menschliches Gegenüber, greift er (wenn er sich im "normalen" Verhaltensbereich bewegt)  bei seinem "Motivationstest" oftmals auf Elemente seines Spielverhaltens zurück (Imponiergehabe, Zuneigungsgesten, Unterwürfigkeitsverhalten).

Die erzieherische Aufgabe des Hundeführers liegt  nun darin, sich auf diese Spielaufforderungen einzulasssen (bzw. selbst entsprechende Spiele anzuzetteln). Ziel der spielerischen Auseinandersetzung ist zwar vordergründig für beide Spielpartner das Spiel zu "gewinnen", wichtiger ist aber, den anderen in immer neuen Spielsituationen kennenzulernen und zu erleben (z.B. sollte man schon mit dem kleinen Welpen möglichst oft das "Sanft-Beissen"-Spiel spielen). Im Laufe der Zeit wird sich durch die gemeinsamen Spiele ein gegenseitiges Verständnis entwickeln, das langfristig eine tragbare Vertrauensbasis schafft (ohne diese Vertrauensbasis ist kein dauerhafter Erziehungserfolg möglich) Ist diese gegenseitige Vertrauensbasis geschaffen, kann man neue Spiele einführen,  z.B. das "Komm-her"-Spiel, das "Setz-dich"-Spiel oder das "Leg-dich"-Spiel. 

Natürlich ist das Spiel nicht in jedem Fall ein geeignetes Mittel der Erziehung, z.B.. wenn ein Hund ein beschädigendes Verhalten zeigt oder die Chemie bei einem Mensch-Hund-Team einfach nicht passt. Aber für einen Hund im "normalen" Verhaltensspektrum (und uneingeschränkt für Welpen) kann es ein artgerechter und Erfolg versprechender Ansatz sein. 

Erziehung als eine Abfolge gemeinsamer Spiele zu betrachten, hat sowohl Auswirkungen auf die Wahl der Erziehungsmittel und als auch auf die gesamte innere Einstellung zum Wesen "Hund":

  • beide Seiten stehen sich auf der gleichen Ebene gegenüber  
  • es gelten für beide Seiten dieselben fairen Spielregeln
  • Konflikte werden aus einer angstbesetzten, starren Konfrontation in eine heitere, gelöste Situation überführt 
  • für ein Spiel können immer wieder neue Lösungen gefunden werden
  •  manche Spiele können beendet werden, manche werden vielleicht ein Leben lang gespielt 
  • das aktuelle Spielergebnis ist kein Grund zur Sorge, da es sich immer verändern kann 
  • der (zeitweilige) Gewinn eines Spiels erhöht den Respekt vor dem Mitspieler 
  • spielerische Auseinandersetzung gewähren tiefere Einblicke in Charakter und Motivation des anderen ("der Falschspieler", "der Spielverderber")
  • Spiele führen zu Leichtigkeit, Lebensbejahung und Freude 
  • die positive, stressarme Atmosphäre des Spiels macht nachhaltiges Lernen erst möglich

Wenn Sie einen etwas anderen Ansatz im Zusammenleben mit Ihrem Hund ausprobieren wollen, dann freue ich mich auf Sie und Ihren Hund !

 

 

Tel: 0178/9291360